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03.10.2007 - Schleiereulen im Kirchturm

Schleiereulen in der Ramershovener Kirche. 

Was im Jahre 1993 mit dem Aufbau des neuen Dachstuhles erst einmal nur „erhofft“ wurde, hat sich als Renner etabliert.

Damals informierte Hubert Schragen, Rendant in der Gemeinde Ramershoven, Peter Meyer vom NABU Bonn, das die Arbeiten am Dachstuhl der Kirche im richtigen Stadium für den Einbau eines Schleiereulenkastens lägen. Mit Stichsäge, Brettern, Nägeln und Hammer wurde ein Nistkasten in den Dachstuhl eingebaut.

Bereits im Jahre 1996 nistete das erste Paar Schleiereulen in dem eingebauten Kasten über den Glocken- dies bis heute.

In der Leichenhalle neben der Kirche befindet sich ebenfalls ein Nistkasten, der als „Tageseinstand“ von den Eulen genutzt wird. Jedes Jahr bei der Kontrolle aufgefundene Gewölle und in der Dämmerung beobachtete Abflüge belegen dies. Tageseinstände sind besonders im Winter ganz wichtig.

Kennzeichen:

Die Schleiereule ist eine langbeinige Eule ohne Ohrfedern mit herzförmigem Gesichtsschleier, dunklen Augen und grauer Oberseite, die Unterseite ist weiß bis gelbbraun.

Die Jagd erfolgt mittels Geräuschfindung (akustische Wahrnehmung).

Das Hauptbeutetier ist die Feldmaus. (siehe Bild...)

Zur Historie:

In den 70er Jahren waren die Bestände von Schleiereulen bundesweit zusammengebrochen. Einer der Gründe waren die verschlossenen Kirchtürme, die gegen Taubeneinflug mit Draht verschlossen wurden. Auch Scheunen und alte Gehöfte waren nicht mehr offen.

Winter mit langen Schneeperioden ließen die Vorkommen auf null fallen.

Im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn wurde in den 60er Jahren die Aktion „Fliegende Mausefalle“ durch den DBV (heute NABU) gegründet, aus der dann eine Arbeitsgemeinschaft zum Eulenschutz (AGE) hervorging.

Mit Landwirten und Pfarrern sowie Privatleuten wurde mit viel ´Überzeugungsarbeit an vielen Stellen wieder ein Nistkasten eingebaut, oder Öffnungen an alten Gebäuden geschaffen, auch die Sicherung von dörflichen Biotopen gehörte dazu.

Ohne diese Maßnahmen gäbe es heute in vielen Dörfern keine Schleiereulen mehr.

Bruterfolg, Alter:

Heute leben ca. 70% der Schleiereulen in Kirchtürmen, so wie in Ramershoven.

Der Bestand der Schleiereule ist abhängig vom Feldmauszyklus. Mit ihm steigen die Jungenzahlen und die Brutenzahlen in Jahre mit hoher Feldmausdichte, wodurch die starken Verluste durch Unfälle, Vergiftungen und Verhungern im Winter schneller ausgeglichen werden.

Das Gewicht einer Schleiereule liegt bei ca. 370 Gramm. Das höchste Alter beträgt 12-17 Jahre, in der Regel wird die Schleiereule jedoch nur wenige Jahre alt.

Die Gelegegröße liegt im Durchschnitt bei 4-7 Eiern.

Die Brutdauer liegt bei 30-34 Tagen (das Weibchen brütet alleine).

Bei der Jungenaufzucht spielt der weibliche Vogel ebenfalls die Hauptrolle, ( während das Männchen die Nahrung beschafft, füttert sie die Jungen).Ab dem 15. Tag verschlingen die Jungen schon kleine Beutetiere vollständig. Ab dem 20. Tag ist das Weibchen nur noch nachts am Nest. Die Geschwister wärmen sich dann gegenseitig. Mit 37 Tagen beginnen die Jungvögel umherzuwandern. Der Brutplatz wird mit 60 Tagen verlassen. Mit knapp 3 Monaten erfolgt die Abwanderung vom elterlichen Revier, manchmal über hunderte Kilometer weit weg.


Eulenkasten in der Kirche St. Basilides, über der Glockenstube.





Bei den fünf Jungen im Eulenkasten ist jetzt kaum noch Platz für die Alten, die jagen in der Nacht und sind am Tag in ihrem Tagesversteck.





Bei Jungeulen ist es völlig normal, dass sie bereits vor dem Flüggewerden den Eulenkasten verlassen. Freie Jungvögel wirken dann verlassen und hilflos.Sie werden aber noch längere Zeit nachts von den Altvögeln versorgt
.


Sollte jemand im Nahbereich der Kirche auf junge Schleiereulen treffen, so lässt man diese am besten völlig in Ruhe. 


Nur wenn unmittelbar Gefahr wie Autoverkehr, freilaufende Hunde und Katzen für das Tier drohen, sollte man sie in der Nähe des Fundorts auf einen Ast in sichtgeschützter Position setzen.




Erfolgsstory im Kirchturm

 

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